Was, wenn etwas in die Hose geht?!

Über Zweifel und Ängste am Berg

Was ist wenn …? Sich einer Herausforderung anzunehmen ist immer spannend und toll. Doch es gibt nicht nur die Sonnenseiten. Manchmal machen sich dunkle Wolken breit und kritische Fragen schwirren mir durch den Kopf. In diesem Beitrag teile ich meine Zweifel und Sorgen mit euch und wie ich persönlich damit umgehe.

Der große Tag rückt immer näher! In sechs Wochen geht es los und mit jedem Tag der verstreicht, merke ich, dass die Aufregung steigt. Von Freunden, Bekannten und auch Fremden höre ich oft Sätze und Fragen wie: „Das ist aber mutig!“ oder „Hast du gar keine Angst?“. 

Bisher dachte ich immer: „Nö!“. Aber ganz besonders abends, wenn ich in Ruhe auf der Couch sitze und Zeit zum Nachdenken habe, erwische ich mich dabei, wie ich doch manchmal ins Grübeln komme. Ich denke darüber nach, wie es wohl sein wird, wenn ich auf der Wanderung stundenlang keiner Menschenseele begegne. Normalerweise mag ich solche Touren – irgendwo hoch oben, absolute Ruhe, mutterseelenallein. Doch bisher war ich in solchen Situationen meistens mit meinem Mann unterwegs. Ob es wohl ganz allein auch noch so schön ist? Ich weiß es nicht, aber ich werde euch davon berichten!

Ich ziehe mir einfach die Decke über den Kopf

Hinzu kommt die Unsicherheit zu den Bedingungen am Berg. Was ist, wenn noch viel Schnee liegt, oder sogar Neuschnee fällt? Gehe ich dennoch erstmal los und entscheide vor Ort? Gehe ich auch los, wenn es stark regnet? All diese Entscheidungen muss ich allein für mich und Nano treffen. Wenn ich darüber in einer ruhigen Minute nachdenke, macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Der Magen zieht sich ein bisschen zusammen und ich habe das dringende Bedürfnis, mir eine Decke über den Kopf zu ziehen! 

Was mache ich also gegen die Zweifel und die  aufkeimende Angst? Fest steht: Ich werde Erfahrungen machen, die ich bisher nicht kannte. Ich kann noch so viele Szenarien im Kopf durchspielen, ich werde nicht alles vorhersehen können. Es gibt aber einige Dinge, die mir dabei helfen, mich nicht mit solchen Fragen verrückt zu machen. 

Vorbereitung ist das halbe Leben

Ich verwandle Zweifel und Angst in meine Triebfeder. Je mehr Schiss ich habe, umso akribischer bereite ich mich vor! Denn auch wenn ich nicht alles vorhersehen kann, ich kann so gut wie möglich vorbereitet sein. Was heißt das, für unsere lange Wanderung? 

1. Die Ausrüstung muss passen
Dazu zählt zum Beispiel, genügend Wasser und Essen dabei zu haben. Auch die richtige Kleidung ist wichtig. Grundsätzlich muss man damit rechnen, dass einem alle Jahreszeiten begegnen können. Regenkleidung, warme Kleidung, luftige Kleidung – in meinem Rucksack wird nach dem Zwiebelprinzip für alle Eventualitäten etwas dabei sein. Und dann ist natürlich Erste Hilfe Set für Mensch UND Hund ganz wichtig. Schmerzmittel, Verbände, Pflaster, Tape – all das gehört mit auf die Tour. Bei der Tierärztin meines Vertrauens habe ich mich also bereits beraten lassen und alles nötige mitgenommen. Mehr dazu in einem späteren Beitrag.

2. Die Fitness muss passen
Auch wenn unsere Etappen größtenteils so geplant sind, dass ich sie auch mit einem durchschnittlichen Trainingsstand gut schaffe, trainiere viel zusammen mit Nano. Denn es gibt niemanden, der mir mal etwas Gepäck abnehmen könnte, wenn es mal nicht mehr geht. Mit Joggen, vielen Wanderungen im Mittelgebirge und Fitnessübungen versuche ich, so fit wie möglich zu werden. Es müssen einfach immer und in jeder Situation noch Reserven da sein. 

3. Der Plan muss passen
Immer wieder gehe ich meine Etappen durch. Schaue mir an, wo ich herlaufen möchte, präge mir jetzt schon die Route gut ein. Dabei achte ich auch immer darauf, dass ich schon Alternativen aus dem Ärmel ziehen kann, falls eine Etappe mal nicht möglich ist. Denn wenn ich erst vor Ort anfangen muss, umzuplanen, wird es stressig. Insbesondere am Anfang der Tour kann ein Umplanen schließlich eine Kettenreaktion auslösen und dann passen auf einen Schlag mehrere Unterkünfte nicht mehr. Ich habe darum nur die erste Woche durchgeplant und gebucht. Für die weiteren Übernachtungen suche ich mir bereits im Voraus Favoriten heraus, mit denen ich telefonisch abkläre, ob eine flexible Anreise möglich ist, und wenn ja, in welchem Zeitraum. So habe ich bereits Anlaufstellen vor Ort, ohne vorbuchen zu müssen.

3. Der Kopf muss passen
In den letzten Jahren habe ich während unserer Bergtouren vor allem eines gelernt: Wenn der Kopf nicht mitmacht, wird’s nichts mit dem Gipfel. Immer wenn ich schon vor der Tour in Frage gestellt habe, ob ich das eigentlich kann/soll/will, sind wir nicht auf den Gipfel gekommen. Wenn ich wirklich wollte, dann ging es auch. Natürlich machen einem manchmal äußere Umstände einen Strich durch die Rechnung. Nichts ist aber ärgerlicher, als es selbst zu verkacken. Der eigene Körper kann so viel mehr, als ich selbst oft geglaubt habe. Es gab schon Touren, da dachte ich wirklich: „Jetzt geht gleich nix mehr“. Überraschung: Es ging noch was – einiges sogar. 

Für die Alpenüberquerung heißt das für mich: 

– Ich denke nur von Etappe zu Etappe, kleine Zwischenziele, ein Schritt nach dem Anderen. Und jeder Schritt zählt für unser Spendenprojekt!

– Ich habe von Anfang an im Kopf, dass ich am Ende oben auf der Zugspitze stehen werde. Dieses Bild, halte ich mir immer wieder vor Augen und stelle mir vor, was für ein gutes Gefühl das sein wird.

– Ich gehe nicht zu verbissen an die Sache ran. Wenn ich eine alternative Route nehmen muss, dann ist das so. In den Bergen, muss man flexibel bleiben.


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