Meran nach Österreich: Planänderung – mal wieder

Viele Wege führen nach Österreich

Mittlerweile sitze ich wieder Zuhause. Die Wanderung ist geschafft. Ich bin stolz und ich vermisse jetzt schon das Laufen. Höchste Zeit, nochmal einige Etappen Revue passieren zu lassen. Aufgeteilt in drei Texten, erzähle ich euch in den kommenden Tagen mehr von der zweiten Hälfte meiner Wanderung. Wir starten heute mit den letzten Tagen in Südtirol.

Wisst ihr noch, wie ich bei Regen am Gardasee gestartet bin? Und wisst ihr noch, dass ich mir besseres Wetter gewünscht hätte? Tja … was soll ich sagen? In Meran wünschte ich mir den Regen zurück, denn es war so warm. Und eine weitere kleine Umplanung erforderte, dass ich den Meraner Höhenweg gehe. Wunderschön – wirklich – aber voller Südhang. Sprich: Die Sonne brezelt den ganzen Tag voll rein. Ich schwitze schon wieder, wenn ich mich nur dran erinnere – ok, ein wenig könnte auch die aktuelle Hitzewelle am derzeitigen Schwitzen beteiligt sein. 

Schnee, Schnee, Schnee

Aber von vorne. Denn eigentlich wollte ich ja aus dem Vinschgau, genauer von Naturns aus, in das Schnalstal hinauflaufen, um von dort quasi vorbei an der Ötzi-Fundstelle, nach Österreich zu gelangen. Ein Blick in die Webcams des Venter Tals, also dem Ankunftsort auf österreichischer Seite, offenbarte aber, dass bis kurz oberhalb vom Talgrund auf 2.000 Meter noch Schnee liegt. Von früheren Touren weiß ich, dass es dort nur wenige steile Stellen gibt. Doch die liegen dann schon so weit unten, dass eine Umkehr im Fall der Fälle dann kaum noch Sinn macht bzw. deutlich zu lang wäre. Um genaueres zu erfahren, rufe ich bei dem örtlichen Bergführer-Büro an und die bestätigen meine Befürchtung: Auf österreichischer Seite herrschen noch winterliche Bedingungen. Mit Nano im Schlepptau und im Alleingang kommt das für mich nicht in Frage. 

Die Alternative ist schnell gefunden

Statt in das Schnalstal zu laufen, biege ich also rechts ab und nehme mir den Meraner Höhenweg vor. Denn die einzige sinnvolle Ausweichmöglichkeit rüber nach Österreich ist jetzt noch das Timmelsjoch – das im Übrigen zu diesem Zeitpunkt auch immer noch wegen zu viel Schnee und Lawinengefahr gesperrt war. Also einfach in die Richtung weiterlaufen und hoffen, dass es in den kommenden zwei bis drei Tagen geöffnet wird! Die Zeit und die knallende Sonne werden schon für uns arbeiten.

Zurück zum Meraner Höhenweg. Drei Worte reichen eigentlich aus, um den Tag zusammenzufassen: Tausend Stufen Schlucht! Ich bin froh, dass ich Nano einen Ruhetag gegönnt habe und heute ohne ihn unterwegs bin – auch wenn seine Gesellschaft fehlt. 

Ein ewiges Auf und Ab

Anders, als die meisten Leute, bin ich von Naturns aus zum Einstieg des Höhenweges aufgestiegen. Außer mir kam eigentlich niemand auf diese Idee, denn zu diesem Punkt fährt auch eine Seilbahn. 900 Höhenmeter, komplett Südwand und ich war auch nicht gerade früh unterwegs. Die Sonne hat schon ordentlich eingeheizt. Ehrlich gesagt, hatte ich Schlucht zu dem Zeitpunkt auch gar nicht so richtig auf dem Schirm. Oben angekommen denke ich also noch: hach, schön, jetzt immer auf Höhe hier oben die Aussicht genießen … PUSTEKUCHEN. Die erste Schlucht kommt. Ich steige auf, dann wieder hinab in die Schlucht, wieder komplett rauf heraus und um den Hang einmal rum. Und da schwant es mir schon … „Ob das hier wohl diese berühmte Tausend Stufen Schlucht ist? Schon komisch, wenn ja, dann war’s bis hierher ja gar nicht so schlimm. Was die wohl immer alle haben? Ist doch voll schön hier.“ Ich schaue um die nächste Ecke und muss lachen. Das gleiche nochmal. Schlucht Teil zwei. Rauf, runter in die Schlucht, wieder rauf raus aus der Schlucht. Au Backe. 

Naja, irgendwann werde ich schon ankommen, denke ich mir. Einfach weiterlaufen. Und das mache ich dann auch. So langsam begann mir auch zu dämmern, warum hier alle mit der Bahn zum Höhenweg rauf und wieder runterfahren. Egal, so kann ich wenigstens nachher behaupten, dass ich den Weg echt und richtig gemacht hab. Alpin-Stil, quasi. Nach einer dritten, aber deutlich kleineren Schlucht und einer gefühlten Ewigkeit später erwarte ich um jede Ecke den Abstieg, aber er kommt und kommt nicht. Ich bin mittlerweile nicht mehr so gut gelaunt und meckere mal kurz laut: „Ich hab jetzt echt kein Bock mehr!“. Nur weitere 10 Minuten später ist es dann aber geschafft. Ich sehe die Bahnstation und weiß: Hier geht es runter. 

Die weiteren Tage laufe ich durch das Passeier Tal über Almen und durch die Klamm immer Richtung Timmelsjoch. Jeden Tag checke ich mindestens fünf Mal die Timmelsjoch-Facebook-Seite und hoffe, die Meldung zu sehen, dass es endlich losgeht und das Timmelsjoch öffnet. Genau einen Tag bevor ich rüber muss, kommt die Nachricht dann endlich. Es kann losgehen, der Weg nach Österreich ist frei!


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