Ötztal: unheimliche Kuhbegegnungen und herrliche Aussichten

Unser Weg durch Tirol – neues Land neue Herausforderungen

Schon komisch … woher weiß das Wetter denn bitte, wo genau die Landesgrenze verläuft? Kaum in Österreich angekommen, war es plötzlich deutlich kühler und regnerischer. Für Nano war das deutlich angenehmer – das stimmte mich versöhnlich mit dem Wetter. Wie es uns sonst auf unseren Etappen durch Tirol erging? 

„Kein Wunder, dass es so lange gedauert hat, bis das Timmelsjoch in diesem Jahr eröffnen konnte“, denke ich mir, als sich das Auto langsam durch die Schneetunnel schlängelt. Fast einen ganzen Monat später als sonst machte der Alpenpass in diesem Jahr auf. Die Lawinengefahr war lange Zeit noch zu hoch. Die Schneemassen dort oben waren wirklich beachtlich. Höher, als ein Doppeldeckerbus stapelte sich noch der Schnee. So musste ich auch auf eine motorisierte Überfahrt zurückgreifen – zumindest soweit, bis die Wege wieder „laufbar“ waren

Unser Weg führte uns dann von der Hochalpenstraße hinunter ins Ötztal nach Sölden. Kaum in Österreich angekommen, begegneten wir erstmals auf der Wanderung hautnah Nanos Kryptonit: Kühe. Nano hat gehörigen Respekt vor den großen Tieren mit den lauten Glocken. Über eine laaaange Weide führt der Weg und einige junge, neugierige Kühe begrüßten uns kurz hinter dem Gatter. Sie schienen allesamt freundlich gestimmt zu sein und ich führte Nano an der Leine nahe bei mir an den Kühen vorbei. Als dann aber einige Tiere mitten auf dem Weg standen, kam ich ihn keinen Schritt weiter. Also ging es für uns einige Meter den Hang hinauf durch den Wald, um die gruseligen Wiederkäuer zu umgehen. 

Kühe und Nano – keine gute Kombination

Doch auch hier, steckten wir irgendwann in einer Sackgasse, denn einige Tiere standen vor uns und genossen die frischen Kräuter zwischen den Bäumen. Ich entschloss mich dazu, Nano von der Leine zu lassen, damit er sich noch weiter oben durch den Tannenwald schlängeln konnte, wo es für mich kein Durchkommen mehr gab. Ich wusste, dass er den Abstand zu den Kühen größtmöglich hält und er, wenn er Schiss hat, nicht kopflos agiert, sondern weiterhin ansprech- und lenkbar ist. Ich lasse Nano also laufen und dirigiere ihn vom Weg aus über den Hang. Die Taktik geht auf und wir kommen ohne große Aufregung um die Herde herum. Als wir am zweiten Gatter ankommen und die Weide verlassen wollen, dauerte es Herrn Nano zu lange, bis ich es schaffe, das Tor für ihn zu öffnen und er quetsche sich kurzerhand lieber unter dem Tor hindurch. Selbst ist der Hund.

Auch in den kommenden Tagen war unsere Strecke umsäumt von Weiden. Zwar waren die Weiden von den Wegen durch Zäune getrennt, doch wir hatten meistens links Kühe, rechts Kühe und Glockengeläut von allen Seiten – totaler Stress für Nano. 

Und so kamen wir völlig entnervt an unserer Unterkunft in Längenfeld an, wo wir von der Gastgeberin erst einmal komisch beäugt wurden. Sie fragte: „Wie, Sie sind zu Fuß hier? Wie, Sie haben reserviert? Sind Sie sicher, dass Sie nicht in Umhausen gebucht haben? Da gibt es ein Haus das genauso heißt.“ Ich dachte: „Pfoaaaa, ich glaub mein Schwein pfeift!“ Mir fällt in dem Moment alles aus dem Gesicht. „Noch einen Ort weiter laufen?! Ähm, I don’t think so…“ ging mir durch den Kopf. Für einen kurzen Moment zweifelte ich an meinem Verstand und ob ich wirklich verplant hatte, die richtige Adresse herauszusuchen. Ein Blick in die App offenbarte aber, dass mit meinem Gedächtnis alles stimmte und die Dame des Hauses noch einmal genauer nachschauen sollte. Wie sich herausstellte, hatte sie nur den Zettel mit der Buchung verlegt und wir konnten unser Zimmer beziehen. 

Freude über die kleinen Dinge

Wie sehr man sich über die kleinen Dinge des Lebens freuen kann, merkte ich an diesem Tag deutlich. Denn direkt neben der Unterkunft gab einen kleinen Lebensmittelhändler und ein gutes Restaurant. JACKPOT! So bekam Nano an diesem Abend erstmal einen grooooßen Klecks Joghurt über sein Futter und ich gönnte mir Schinken-Rahm-Spätzle. Soooo gut! 

Auch am zweiten Tag im Ötztal ging es wieder überwiegend durch das Tal. Bei dem Versuch zu einem Wasserfall aufzusteigen und durch die Klamm wieder hinabzugehen, stellte ich zum Glück früh genug fest, dass der Weg aufgrund der Wassermengen von der Schneeschmelze gesperrt war. Ich stieg also über eine andere Route in den nächsten Ort ab. Dieses Glück blieb mir jedoch nicht treu. Denn zwei weitere Male lief ich an diesem Tag noch in Wegsperrungen, weil Wasser die Wege überspült hatte. Beide Male lief ich dafür weit in Sackgassen hinein, nur, um am Ende wieder umzudrehen und komplett zurücklaufen zu müssen. Tja, erst wünsche ich mir, dass der Schnee schnell schmilzt, dann schmilzt der Schnee schnell und versperrt die Talwege. Irgendwo muss das Wasser ja auch hin. 

Freude über die großen Dinge

Doch die Mühen des Tages sollten entlohnt werden. Kaum den Gasthof betreten wurden wir freudig begrüßt, auf die Terrasse gesetzt und erstmal mit Wasser und Radler versorgt. Georg, der Wirt, nahm uns auf, wie Freunde, fragt, wo wir herkommen und erzählt, dass er erstmal die Sauna vorgeheizt hat, als er erfahren hat, dass wir zu Fuß unterwegs sind … Halt Stop … „Warte mal – hat der gerade SAUNA, gesagt? Ich glaub, ich bin im Himmel!“, dachte ich, als ich das hörte und beschloss, dass ich erstmal etwas Leckeres für Nano besorge und mir dann die Sauna anschaue. So schlappte ich am späten Nachmittag freudig zur Sauna. Drinnen traf mich fast der Schlag: Ich blickte in einen echten Wellnesstempel nur für mich allein – niemand sonst da. Und dann freue ich mich auch mal über die großen Dinge im Leben 

Gipfelglück

So gestärkt nahmen Nano und ich uns für den nächsten Tag mal wieder etwas Größeres vor: Der Gipfel des Wetterkreuzkogels. Am Vortag meinten zwar noch alle, dass der Gipfel wahrscheinlich nicht möglich sei, da aber die Alm, auf der wir übernachten, so gelegen ist, dass wir im Zweifel einfach nur früher abdrehen müssen, schauen wir uns den Weg an. Und der sah gut aus! Auf jeden Fall machbar. Mit einigen Schneefeldquerungen, über die Nano sich immer wieder freut, kamen wir auf den Gipfel. Yes, endlich! Zur Krönung kam uns am Gipfeltag auch noch das Herrchen entgegen. Er unterstützt uns bei dem Aufstieg auf die Zugspitze, die bis dato noch kaum begangen war, in der Saison. Nano ist ihm vor Freude bis ins Gesicht gesprungen. Ich weiß gar nicht, wann er sich das letzte Mal zu gefreut hat. 

Als einzige Gäste übernachteten wir dann auf der wunderschönen Acherberg Alm, genossen den Sonnenuntergang mit einem bombastischem Talblick und die herrlich, kalte Nacht auf 2.000 Metern. Und ich konnte am Abend endlich Pierre von all meinen Erlebnissen live und in Farbe erzählen. SO kann es weitergehen. Zugspitze, wir kommen! 

P.S. Bis Mitte August kann weiterhin für VITA Assistenzhunde und unseren Spendenlauf gespendet werden. Einfach per Überweisung oder Paypal

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